Piräus (Πειραιάς) ist das wirtschaftliche Herz der Region Attika: Hier befindet sich der größte Passagierhafen Europas und einer der verkehrsreichsten Häfen weltweit.
Vom Athener Stadtzentrum aus erreicht man die Hafenstadt sehr zügig mit der grünen Metro-Linie M1.
Wer die Anreise etwas geruhsamer angehen möchte, kann auch die Tram T4 wählen – allerdings endet diese Haltestelle ein gutes Stück außerhalb des Zentrums am Karaiskakis-Stadion (Γήπεδο Γ. Καραϊσκάκης), sodass man zu Fuß Richtung Hafen weitergehen muss.
Wir hatten uns bei unserem ersten Besuch für die Tram-Variante entschieden und die Strecke als Erkundungsgang genutzt.
Update: Bei unserem zweiten Besuch im Oktober 2020 sind wir mit dem Mietwagen angereist, um im Zuge der damaligen Corona-Situation den ÖPNV zu meiden.
Der Straßenverkehr war zwar deutlich ruhiger als im Vorjahr, die Parkplatzsuche blieb im dicht bebauten Stadtgebiet dennoch eine Herausforderung.
Etwas außerhalb fanden wir schließlich eine Parkgelegenheit und erreichten das Zentrum zu Fuß.
Man hört oft, Piräus sei hässlich. Wer nur die industriellen Außenbezirke sieht, mag dem teilweise zustimmen – doch das Zentrum, die Buchten und vor allem die Hafenanlagen sind absolut sehenswert.
Vom Karaiskakis-Stadion bis zum Haupthafen sind es knapp 5 km Fußweg, auf dem man an rauen, aber auch an vielen charmanten Ecken vorbeikommt.
Entlang der Uferpromenade reihen sich zahlreiche Fischtavernen und Straßencafés aneinander – ideal, um bei einem kühlen Frappé das lebhafte Treiben zu beobachten.
Akti DilaveriAkti KoumoundourouStreetart-GraffitiPanagia MirtidiotissaAgia EkateriniPuerto de Mikrolimano
Im weiteren Verlauf unseres Spaziergangs eröffnet sich ein herrlicher Ausblick über den Stadtstrand „Votsalakia Beach“ (Παραλία Βοτσαλάκια) hinweg auf den offenen Saronischen Golf.
Blue BayVotsalakia BeachRiviera BeachPlateia Alexandras
Schließlich erreicht man den Alexandra-Platz (Πλατεία Αλεξάνδρας).
Hier steht eines der eindringlichsten Monumente der Stadt: das Völkermorddenkmal der pontischen Griechen (Μνημείο Γενοκτονίας των Ελλήνων του Πόντου).
Das vom Bildhauer Panagiotis Tanimanidis geschaffene Werk erinnert an die systematische Vernichtung und Vertreibung der griechischen Bevölkerung des Pontos-Gebietes im Osmanischen Reich zwischen 1914 und 1923, bei der Schätzungen zufolge über 350.000 Menschen ums Leben kamen.
Direkt nebenan öffnet sich der malerische Yachthafen Pasalimani (Limani Zeas / Πασαλιμάνι).
Hier liegt eine Luxusyacht neben der anderen. Das Panorama der dichten Stadtbebauung im Kontrast zu den eleganten Booten hat ein unverwechselbares Flair.
Rund um das Hafenbecken laden zahlreiche Cafés mit Wasserblick zum Verweilen und Träumen ein.
An der Uferstraße Akti Moutsopoulou steht zudem ein bekanntes Wahrzeichen des Viertels: der historische Uhrturm „Die Uhr“ (Το Ρολόι).
Piraeus Tower
Weiter im Stadtzentrum ragt der markante „Piraeus Tower“ (Πύργος του Πειραιά) weithin sichtbar empor.
Rund um das Hochhaus pulsiert das urbane Leben mit Einkaufsstraßen, Plätzen und Kirchen.
Wir sind ohne festen Plan einfach drauf losgelaufen – und genau dabei entdeckt man oft die spannendsten Fassaden und Denkmäler, deren Geschichte sich einem manchmal erst beim späteren Sortieren der Urlaubsfotos zu Hause ganz erschließt.
Eine kleine grüne Oase der Ruhe ist der Tinaneios-Garten (Τινάνειος Κήπος / Themistokleous Square) im Schatten der Kirche Agios Spyridon.
Piräus ist sicherlich keine Bilderbuchstadt, aber auch keineswegs nur grau und industriell: sehr lebendig, geschäftig und absolut sehenswert.
Nach unseren Besuchen in den Herbsten 2019 und 2020 steht fest: Wir kommen bestimmt wieder hierher!